Canadian Nationals PPC 2005

Team

           Die Schlagzeilen am Morgen danach ………

Als wir uns am Morgen nach den Nationalen Meisterschaften uns zu einem Abschiedsfrühstück mit unseren kanadischen Freunden von der Canadian Police and Combat Association CPCA trafen, fanden wir diese nicht ganz unpassenden Schlagzeilen im Toronto Star. Große Sportereignisse können eine ganze Nation erschüttern.

Wieder einmal hatten wir die Kanadier in ihrem eigenen Land vernichtend geschlagen und fast alle Titel für den BDMP abgeräumt. Doch fangen wir der Reihe nach an.

Unsere Reise war diesmal von einigen Problemen überschattet. So hatten die Quebecer ein fest vereinbartes Match kurzfristig abgesagt obwohl wir alles schon daraufhin geplant hatten, dass wir nach den Nationals auch noch an den Provincials in Quebec teilnehmen wollten.

Quebec ist eine Hochburg im PPC-Schießsport Kanadas und entsendet regelmäßig die meisten Schützen zu den Meisterschaften. Aber die Quebecer sind Franzosen. Damit fängt das Übel an. Sie sprechen ungern Englisch, sind nicht immer so zuverlässig und möchten sich mit ihrer Provinz am liebsten von Kanada abspalten. Fast so wie einige unserer Schwaben...
Nur der Schießsport hält alle zusammen. Training

Schlimmer traf uns die Tatsache dass bei unserer Ankunft in Toronto die per Seefracht vorausgeschickte Munition noch nicht angekommen war. Sie lag noch im Hafen von Montreal (bei den Franzosen) fest.

Es kostete uns erhebliche Anstrengungen und ein Vermögen an Telefongebühren die Munition noch rechtzeitig aus den Klauen von Spedition und Zoll zu befreien. Einen Tag vor Beginn der Meisterschaften erst hatten wir die Munition auf der Range.

Bis dahin mußten wir das Training mit den Resten vom Vorjahr und den im Flugzeug mitgebrachten (max. 5 kg) Bohnen bestreiten. Trotz dieser Widrigkeiten lief das Training erstaunlich gut und gleich mehrere von uns schossen die 50 yard Distanz voll.

Am Freitag begannen dann die Wettkämpfe mit den Ontario Provincials und der Operationsplan unseres Käpt´n  (Unternehmen Bounty)  konnte sich voll entfalten.

Ein Eckstein in diesem Plan war das Coaching. Während des Wettkampfs natürlich verboten, aber wenn man direkt nach Beendigung des Matches alle Fehler erfährt und jeden Neuner erklärt bekommt, dann ist der Lerneffekt sehr groß. So plazierten wir hinter jedem Schützen einen Beobachter. Der zeichnete das gesamte Match auf.

Als unsere beiden Cracks am ersten Tag mit jeweils mageren 1483 vom Feld gingen und vor Scham fast in den Boden versanken konnten wir Ihnen wenige Minuten später genau alle gemachten Fehler vor den Scheiben erklären.

Thomas Klix nahm sich das zu Herzen und setzte es dann einen Tag später bei den Nationals bravourös um.

Das Ergebnis:  1493 (100x)  Gesamtsieg in Kanada und Neuer Deutscher Rekord !!!

Thomas Klix

Es war eine Freude ihm beim Schießen zuzusehen, wie er genau jene Fehler vom Vortag vermied und ein fast perfektes Match hinlegte.

Da war sogar noch der ein oder andere Ring im Bereich des Möglichen.  Thomas hat jetzt 5 Mal die magische Grenze von 1490 überschritten. So oft wie noch kein anderer Schütze in Europa. Und wenn es einer schaffen könnte noch weiter vorzustoßen dann er.  Beinahe hätte er mit diesem Ergebnis auch den Europarekord geschafft. Aber nur einen Tag vorher schoß Torben Rundquist in Schweden ebenfalls 1493 mit nur einem lächerlichen Xer mehr.

Thomas war wieder einmal der Lichtblick in unserem Team.
Gesamtsieg bei den Nationals 1500 PPC
1. Platz Distinguished Revolver Nationals mit 595
1. Platz Distinguished Pistol Provincials mit 597
Dazu noch ein Zweiter und zwei Dritte Plätze.

Peter Dück konnte mit hervorragenden 1491 und 103 Xern den 2.Platz im Hauptwettkampf bei den Nationals belegen. Mit diesem Ergebnis hätte er im Jahre 2004 den Titel gewonnen. Doch Peter strahlte über das ganze Gesicht und haderte nicht mit seinem „nur“ zweiten Platz.

Wenn man sich die Leistungsexplosion der letzten Jahre anschaut dürfte es auch in Deutschland bald so weit sein dass in den großen Matches mehrere Schützen über 1490 liegen.

Gus
Die Austrian-Connection: Günther Schüller und Gus Hartl

Den 3. Platz im Hauptwettkampf belegte der kanadische Lokalmatador Gus Hartl, ein gebürtiger Österreicher mit 1487 Ringen. Gus mußte nach einer schweren Verletzung an der Hand lange pausieren und hat noch nicht ganz die alte Form erreicht. Auch ein Mann der wie Thomas und Peter die 90 zu knacken weiß. Gus hatte lange Zeit die WA 1500 Rangliste angeführt.

Schützen müssen ihre Ausflüge in die Welt der gefährlichen Sportarten oft mit schweren Verletzungen bezahlen.
Neben dem Obst-Essen ist hier vor allen Dingen der Golfsport zu nennen.
Gus brach sich beim Golf so böse seine Schußhand dass er jetzt „sein Eisen“ in Form von Nägeln in seinen Fingerknochen hat.

RodlerRodler

 

Einen riesengroßen Erfolg konnte auch unser Youngster Christian Rodler verbuchen, der erst kurzfristig für den erkrankten Rolf Pobel nachnominiert wurde. Er schaffte mit 1477 und 1483 gleich auf Anhieb den Sprung in die High-Master-Klasse. Ein Mann ohne Furcht und Schrecken. Im Training beeindruckte er schon mit einem Full House auf 50 yards und in den beiden Matches steigerte er sich dann kontinuierlich.


Christian hat seinen High-Master in der Rekordzeit von nur 17 Monaten und 14 Matches erreicht. Das hat vor ihm noch kein anderer Schütze in solch kurzer Zeit geschafft. Christian verspricht mehr als nur ein Listen-Füller unter den High-Mastern zu werden.

 

Die Duty Pistol, ein 150-Schuß-Match das momentan nur in Kanada geschossen wird, ging beide Male an Frank Reiche, der mit 1493 nur einen Ring unter dem kanadischen Rekord blieb.

 

Die Team-Matches bei den Nationals – vier an ihrer Zahl - gingen komplett alle an den BDMP. Die meisten davon mit großem Abstand. Das rundete unseren Erfolg ab.

Als Nebenwettkampf wurde wieder ein „Eliminator“ Mann-gegen-Mann Match angeboten. 5 Stahlziele auf ca. 10 Meter waren so schnell wie möglich abzuräumen. Wer das 3 Mal schneller schaffte als sein Gegner kam eine Runde weiter. Wurde dieser Wettkampf letztes Jahr noch von den Franzosen (und Französinnen !) beherrscht, konnten sich dieses Mal unsere Jungs durchsetzen. Allen voran der „angefressene“ Ralf Vanicek der bis dahin – völlig ungewohnt – noch keinen Sieg auf seinem Konto verbuchen konnte. Mit einer Speed die man ihm nicht zugetraut hätte
siegte er überzeugend vor Peter Dück und Helge Peters.

Peter Dück, Ralf Vanicek, Helge Peters

Fast noch schwieriger als diese Siege einzufahren waren dann unsere Auftritte auf dem gesellschaftlichen und diplomatischen Parkett. Denn als „notorischer“ Gewinner kann man sich auch ganz schnell unbeliebt bzw. ungeliebt machen. Sport ist eben auch immer mit Politik verbunden wie uns die Schlagzeile im Toronto Star zeigte. Aber nachdem wir für das nächste Jahr wieder eingeladen worden sind und man uns in das Herz der kanadischen RCMP, dem Ausbildungszentrum der Mounties in Regina, einlassen will, glauben wir auch diese Aufgabe gut erfüllt zu haben.

Claude & Frank Essen
CPCA Präsident Claude Labossiere