Erfolgreiches BDMP-Team beim 24. Bianchi Cup in Columbia, Missouri/USA
von Heinz Meyer Bilder In der Zeit vom 22. bis 25. Mai diesen Jahres fanden in der amerikanischen Kleinstadt Columbia, zwischen Kansas City und St. Louis, unmittelbar an der Interstate 70 im US-Bundesstaat Missouri gelegen, die 24. National Action Pistol Championships, besser bekannt unter den Namen Bianchi Cup, traditionell auf der Schießanlage der jetzt dem Green Valley Pistol Club gehörenden Chapman Academy statt. Für eingeschworene Bianchi Cup-Schützen und Fans gibt es unzählige Gründe, warum gerade der Cup die attraktivste Action Pistol-Disziplin ist, aber auch Newcomer spüren schnell die besondere Atmosphäre auf dem Schießstand der Chapman Academy, die sich am ehesten mit der eines Golf-Turniers vergleichen läßt. Bei den Top-Schützen, die im Training die Übungen normalerweise immer mit maximaler Punktzahl absolvieren, ist der Reiz ähnlich wie beim Golf oder Wurfscheibenschießen nicht etwa wie viele Punkte man holt, sondern wie wenig Fehler man macht. Die Schießstände der vier Matches liegen direkt nebeneinander, so daß man ausreichend Zeit hat, neben den eigenen Starts den anderen Schützen zuzusehen, und sich gegebenenfalls das ein oder andere abzugucken. Die Startzeiten ergeben aber eigentlich auch immer, dass man die eine oder andere Übung sogar mit einem der zahlreichen Top-Schützen der Szene gleichzeitig absolviert. Nachdem das BDMP-Team mit einigen Anreiseproblemen (die seit neuestem beantragten Waffeneinfuhrgenehmigungen der ATF waren rechtzeitig beantragt, aber seitens der US-Behörde nicht rechtzeitig zurückgeschickt worden) den langen Weg bewältigt hatten, und alle Teammitglieder am 17.05., einen Tag später als geplant, im Hotel eingetroffen waren, konnte am nächsten Tag auf einem, dem Wettkampfort nahegelegenen Schießstand mit dem Training begonnen werden. An dieser Stelle sei nochmals dem Sicherheitschef der Lufthansa in Frankfurt gedankt, der die Reise überhaupt ermöglicht hatte, nachdem es für die Delta Airlines scheinbar unmöglich war, ein von der größten Schießsportvereinigung der Welt eingeladenes National-Team zu transportieren. Die vorab georderte Trainingsmunition war rechtzeitig eingetroffen, so dass immer noch genügend Zeit war, sich auf den Wettkampf vorzubereiten. Von da an wurde jede freie Minute genutzt, um optimal präpariert an den Start zu gehen. An dieser Stelle möchten wir uns auch noch einmal für die großzügige Unterstützung durch die Munitionssponsoren Hornady und PMC bedanken. So begann dann nach einem Warm-Up Match am Montag, der Haupt-Wettkampf für uns mit dem Match II (Barricade Event). In den USA hat man, wie viele wissen, viel Platz und Zeit und so konnte es sich der Veranstalter erlauben, für jeden Teilnehmer am Mittwoch und Donnerstag jeweils nur ein Match und am Freitag zwei der insgesamt vier Matches anzusetzen. Spätesten am Donnerstag nach dem Match I (Practical Event), war jedem von uns klar, dass das herausragende Ergebnis des Teams in der Offenen Klasse, bei der NRA Weltmeisterschaft in Terni, nicht wiederholt werden kann, da Heribert "Betze" Bettermann eine Waffenstörung hatte und vier Schüsse nicht abgeben konnte. Jeder der den Bianchi Cup kennt, weiß, dass hier eine Störung nicht mehr wettzumachen ist. Trotzdem wurde der Wettkampf mit voller Konzentration weitergeführt und ein respektabler 4. Platz von insgesamt 11 angetretenen Teams erreicht. Die eindeutig leichteste Übung des Bianchi Cup ist das Match IV (Falling Plates Event), bei der jeweils sechs Stahlklappscheiben auf 9 bis 23 Meter getroffen werden müssen. Immerhin 61 der 160 Starter konnten alle 48 Ziele treffen und nur ein Schütze verpaßte durch Verfehlen einer Platte die maximal im Bianchi Cup erreichbare Punktzahl. Noch 52 Starter konnten das Match II (Barricade Event) mit voller Punktzahl absolvieren und ein Treffer in den Achter-Ring der Karton-Scheibe verhinderte hier bei keinem Schützen das Full-House-Ergebnis. Im Match I (Practical Event) schafften es 17 Teilnehmer alle 48 Schuß mindestens in den Zehner-Ring zu plazieren und nur der dreifache Bianchi Cup-Champion Bruce Piatt hatte sich hier durch eine Acht das ansonsten makellose Ergebnis ruiniert. Also konzentrierte es sich wie immer auf das Match III (Moving Target Event). Die Startzeiten bekommen eine dramatische Dimension, weil die Top-Schützen, die sogenannte Super-Squad als letztes die gefürchtete Laufscheibenübung bestreiten müssen. Zwölf Schützen könnten durch die volle Punktzahl hier noch das Traumergebnis 1.920 erreichen. In der Einzelwertung blieb es deshalb weiter spannend, da Jens Bork das Kunststück fertig brachte, neben den bisherigen drei Matches, bei strömenden Regen auch das Match III "voll" zu schießen, und mit 1.920 von 1.920 Punkten und 169 x (x=Innenzehnern) als erster "Full House" erreichte, und damit sogar eine Chance hatte, das Match zu gewinnen. Es sollte jedoch nicht sein. Don Golembieski, (USA) mit 172 x, Michael Voigt, (USA) 174 x und der Sieger und Favorit Doug Koenig, (USA) mit 184 x schoben sich aufgrund der höheren "x" Treffern nach vorne. Jens Bork blieb der Trost, die internationale Wertung gewonnen zu haben und sich von nun an im elitären "Club 1.920" zu wissen. Wie man seine Hausaufgaben richtig macht, kann man von dem erfolgreichsten Pistolenschütze der Welt, Doug Koenig lernen. Angefangen von den drei identischen Wettkampfwaffen mit aus der Maschine ausgetesteten Läufen, über die handgeladenen Wettkampfpatronen im Kaliber .38 Super Auto, die mit molybeschichteten 115 Grains Sierra Hohlspitzgeschossen, die Schußgruppen von unter 38 mm auf 45 Metern garantieren, bis hin zu extra tiefhängendem Safariland 012 Holster, Oakley Brille, Peltor-Gehörschutz oder hochwertiger Outdoor Funktionsbekleidung. Er überläßt nichts dem Zufall. Dieses hundertprozentige Vertrauen in die Ausrüstung gibt Koenig offensichtlich das Selbstvertrauen, auf das es beim Bianchi Cup ankommt. In der Standard Klasse kann das BDMP-Team mit dem Ergebnis von Marc Kleser ebenfalls eine herausragende Leistung vorweisen. Marc belegte den 3. Platz in der Standardwertung, gewann das Match IV (Falling Plates Event), und war somit auch noch verdienter Sieger der Expertklasse. Ein weiterhin erfreuliches Ergebnis lieferte Adam Lennert ab, der in der Klasse der Marksman den 1. Platz belegte. Einen weiteren großen Erfolg in der Offenen Klasse erzielte Wolfgang Nothnagel, der in der Klasse der "Newcomer" mit 1905 und 158x den 2. Platz belegte. Neben dem Hauptmatch fanden auf der großzügig angelegten Schießanlage auch noch einige interessante Nebenmatches statt. Das absolute Highlight des diesjährigen Bianchi Cup war jedoch das "Shoot Off" der besten Akteure der Wertungsklassen Offene Klasse, Standard Klasse, Senioren, Damen und Junioren, das am Samstag ausgetragen wurde. Herausragend war hier das Duell zwischen Rob Leatham und dem schnellsten Revolverschützen der Welt, Jerry Miculek, der sich zur Überraschung der zahlreichen Zuschauer durchsetzen konnte. Am Abend des gleichen Tages fand im Holiday Inn, in dem auch das NRA Organisationsbüro untergebracht war, in feierlichem Rahmen bei einem Bankett die Siegerehrung statt. So konnte sich das Team des BDMP am nächsten Tag mit einem nicht vorhersehbaren Ergebnis als erfolgreichstes angereistes Team, auf die 23-stündige Heimreise machen. Insgesamt ist zum diesjährigen Bianchi Cup zu bemerken, dass es sich um eine perfekt organisierte Veranstaltung gehandelt hat. Die Erfahrung des Veranstalters aus 24 Jahren Bianchi Cup war unübersehbar. Den insgesamt knapp 160 Schützen standen rund 80 Helfer gegenüber, die mit ihren grünen Trikots sofort als solche zu erkennen waren und absolut professionelle Arbeit geleistet haben. |