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nicht nur für die 1500......

PPC Pistole aus dem Performance Center

Ein Mann sollte einen Sohn gezeugt, einen Baum gepflanzt und einen Porsche gefahren haben. So meint es zumindest ein Spruch aus dem grossen Topf der Lebensweisheiten.
Und er sollte einmal eine "PPC" aus dem S & W Performance Center geschossen haben, wenn er Sportschütze ist. Das meine ich.
Im Prinzip handelt es sich bei dieser Sportwaffe um die seit etwa 1994 bekannte Target Champion in 9mm Luger, deren "Geburt" wir dem Vernehmen nach dem deutschen Importeur "WISCHO" zu verdanken haben. Von Anfang an wurde diese Waffe mit Lob überhäuft und war zeitweise so begehrt, daß überhaupt nicht genügend Exemplare geliefert werden konnten. Ralf Merkle (Merkle Tuning) stellte 1996 erstmals eine Version vor, die für das "1500"-Schießen mit einer dreifach verstellbaren Aristocrat Kimme ausgestattet war. Ralf hatte auch eine "beidseitige Sicherung" eingebaut. Nur: so richtig bekannt wurde die Waffe auch in PPC-Kreisen nie. Schade.

S & W Pistole PPC Ja und dann war sie plötzlich da: Während der USA-PPC-Police Nationals sah ich sie erstmals: die "PPC" aus dem S & W Performance Center in 9mm Luger (vgl. "Vo", Ausgabe 3/97). Bei genauerem Hinsehen zeigte sich, daß bereits ein großer Teil der Schützen in Auto- und Distinguished Pistol Match diese Waffe mit großem Erfolg einsetzte. Sollte diese Waffe es schaffen, eine Tradition zu brechen und die 1911er- .45 ACP ablösen? Um es vorwegzunehmen: Sie hat es geschafft. 9mm ist seitdem "trendy". Nur einen großen Nachteil hatte die Waffe 1997: die Lieferzeit lag in den USA bei mehr als einem Jahr, so stark war die Nachfrage. Woran lag das? Das S & W Performance Center ist seit Jahren bei den "1500"-Nationals bei den Wettkämpfen vor Ort mit einer kleinen, aber feinen Werkstatt vertreten. So kennen Sie die Probleme und Wünsche der Schützen "aus erster Hand". Aus diesen Erfahrungen heraus war es kein Problem, die vorhandene und bewährte Target Champion mit den notwendigen Umbauten auszustatten: Die Drei-Positionen Aristocrat Kimme und ein genügend hohes Korn (nötiger Tiefschuß für "Pfeil aufsitzend"). Mehr war nicht notwendig, um die "Szene" von "hinten aufzurollen".

Wieder zu Hause angekommen, telefonierte ich mir die Finger wund, um zu erfahren, wo ich diese Waffe kaufen könnte. Aber die deutschen Importeuren konnten mir nicht weiterhelfen. Bei den US-Nationals 1999 schien es bereits so, als gäbe es nur noch die S & W "PPC". Ich denke, daß gut 75-80% aller Starter Auto- und Distinguished Pistol Match mit dieser Waffe ausgestattet waren, insbesondere auch die weiblichen Schützen. Auch die Top-Schützen aus dem US-Border Patrol Pistol Team waren der 1911er untreu geworden.

Und dann geschah etwas, mit dem ich nicht mehr gerechnet hatte: Im Oktober ´99 fragte WISCHO an, ob ich immer noch Interesse hätte, die Pistole zu testen, etwa zwei Wochen vor der Indoor WM. Binnen zwei Tage war die Waffe da und ich beschloss, sie im Distinguished Pistol Match der WM einzusetzen. Eine S & W heute noch aus der Ransom Rest zu schießen, hieße Eulen nach Athen tragen. Die Eigenpräzision und Verarbeitung ist bekannt. "Generationen" von Testern haben ihr Loblied bereits gesungen. Das muß nicht wiederholt werden. Doch wie kommt ein Schütze mit dieser Waffe zu recht? Ist sie "zickig" oder "gutmütig"? Tauchen in der Praxis Probleme auf? Zuführungsstörungen? Welche Munition harmoniert? Das waren die Fragen, die mich interessierten. Natürlich sollte man eine Waffe ausgiebig trainiert haben, bevor man damit in einen Wettkampf geht. Aber hier ging es halt nicht anders. Vorher hatte ich noch Gelegenheit, sie etwa 200 Schuß "kennen zu lernen.
Aber nun der Reihe nach:
Auch wenn diese Pistole weitgehend bekannt ist, hier noch einmal die Eckdaten: Matchlauf 9mm Luger, 5", mit Rampe. Der Lauf ist sozusagen "kugelgelagert" (spherical bushing) , dies ermöglicht eine besonders präzise Führung. Allerdings dauert es etwas, bis man beim Zusammenbauen den "Dreh" raus hat. Griffstück und Schlitten sind in gestrahltem "stainless steel". Eine reizvolle und ästhetische Optik ergibt sich durch die geschliffenen, glänzenden Seitenteile. Die Griffvorderseite ist mit einem sauberen Checkering (20 lpi) versehen. Die Bedienelemente sind praxisgerecht großzügig dimensioniert. Dies gilt auch für den Magazinlöser, der ohne Änderung der Handhaltung erreicht werden kann, andererseits aber nicht so groß ist, daß er beim Schießen mit der linken Hand versehentlich ausgelöst werden kann.

S & W Pistole PPC Die Aristocrat-Tri-Set Kimme ist blitzsauber eingepaßt. Das seitlich hinterschnittene Korn ist 9,5mm hoch und ermöglich dadurch auch auf 25m den Tiefschuß für die Visiermethode "Pfeil" aufsitzend. Es ist 3,3 mm breit und korrespondiert nach meinem Empfinden ideal mit dem Kimmenausschnitt. Ich empfinde die sich daraus ergebenden Lichtspalte als optimal. Die wirksame Visierlänge beträgt 180mm. Optimal für das Distinguished Pistol Match. Aber immerhin "verschenkte" 35,9mm im Auto-Match, wo 8,5" (=215,9mm) zugelassen sind. Doch eigenartigerweise hat dies im Test überhaupt keine negative Bedeutung oder Wirkung gezeigt.

Der Schlitten läuft auf dem Griffstück in bester "Matchqualität". Da wackelt nichts. Mit knapp 1188 Gramm ist die Waffe (ohne Magazin) sogar etwa 50 Gramm schwerer als eine vergleichbar ausgestattete 1911er in der 6" Version. Der Scherpunkt der Waffe liegt relativ genau über der Drehachse des Abzuges. Damit liegt genügend Masse, die dem Hochschlagen der Waffe entgegenwirkt, im wichtigen vorderen Bereich.

Die S&W "PPC" ist als reine "single action" Pistole konzipiert. In den USA, wo gem. Sportordnung der erste Schuß jeder Station auch in "double action" abzufeuern ist, wenn die Waffe darüber verfügt, ist dies ein entscheidender Vorteil. In Deutschland spielt dies kaum eine Rolle. Aus Sicherheitsgründen wird hier (bei nahezu allen Wettkämpfen) beim Ladekommando nur das Magazin eingeführt und die Waffe (unterladen) geholstert. Fertiggeladen wird erst zu Beginn der Serie (Herdrehen der Scheibe oder akustisches Ladesignal). Damit ist der Hahn sowieso vorgespannt. Es wäre sicherheitstechnischer Nonsens, hier die Waffe "entspannen" und den ersten Schuß im DA-Modus schießen zu lassen.

Die Waffe liegt auf Anhieb außerordentlich gut in der Hand. Dazu trägt sowohl der mit ca. 107mm vergleichsweise lange Griff als auch der voluminöse Magazintrichter bei, der nochmals knapp 10mm Auflagefläche für die Hand bietet. Hier findet die Führhand genügend Platz um "Druck" auszuüben. Als nicht optimal empfinde ich den an der Testwaffe angebrachten Griff aus hartem Kunststoff. Es ist aber durchaus verständlich, daß die Firmen hier durch "Standardware" den Grundpreis einer Waffe niedrig halten. Die meisten Schützen statten ihre PPC-Waffen sowieso mit den persönlich bevorzugten und teilweise recht teuren Griffen aus. Hogue oder Nill bieten auch für die S&W "PPC" Griffe an, die keine Wünsche offen lassen. Zu meinen persönlichen Vorlieben zählt ein Checkering der Unterseite des Abzugsbügels. Die fehlt leider auch hier. Wer, nicht auf den zusätzlichen "Halt" verzichten möchte, muß sich mit Skate-Board-Tape behelfen.

Der Abzug steht sauber und definiert. Der Hammer der Testwaffe fiel bei 1624 Gramm Auslösegewicht und berücksichtigt damit die im Auto- und Distinguished Pistol Match vorgesehenen "3,5 lbs trigger-pull" (1589 Gramm). In Deutschland ist das Limit mit Rücksicht auf andere Pistolendisziplinen auf 1360 Gramm festgeschrieben. Allerdings wird das Abzugsgewicht auch bei der S&W PPC subjektiv als wesentlich niedriger Empfunden. Die glasklare und knochentrockene Charakteristik trägt wesentlich zu dem angenehmen Gesamteindruck dieser Sportpistole bei.

S & W Pistole PPC Das doppelreihige Magazin nimmt 15 Patronen auf. Besonders positiv ist aufgefallen, daß die obere Ausformung der Magazine sehr gut mit dem Magazintrichter harmoniert und einen blitzschnellen Magazinwechsel ohne Gefahr des Verkantens ermöglicht. Richtig, auf Sekundenbruchteile kommt es in der "1500" nicht an. Aber trotzdem gut zu wissen, daß alles optimal abgestimmt ist.

So, nun aber in die Praxis. Verwendet wurden Mag-Tech FMC (full metall case-Vollmantel), 115 und 124 grs. Mit beiden Munitionssorten schoss sich die "PPC" außerordentlich angenehm. Insbesondere auch in den schnellen Schußfolgen des Match 1 lief die Visierung, saubere Handhaltung vorausgesetzt, nur wenig aus der Linie. Selbst im Pistolenschiessen unerfahrene Vereinskameraden konnten auf Anhieb in Match 1 Treffergruppen innerhalb der "X-Grenze" erzielen. Ein Experiment, das mich ordentlich verblüffte. Auf 25 Meter war es mir möglich, zu etwa 90% die "zehn" zu halten, und das auf der reduzierten Scheibe (Anschlag rechte Hand, Balken rechts), ein ebenfalls sehr positives Ergebnis. Bei Match 2, Originalscheibe, lagen die Treffer zu 100% in der "zehn". Damit hatte die Waffe bereits bewiesen, daß man damit ausgezeichnete Ergebnisse erreichen kann. Natürlich verzeiht sie Fehler in der Haltung nicht. Eine zu "weiche" Führhand verträgt sie nicht, ebensowenig das Durchreißen des Abzuges. Sauber ziehen, ist die Devise, dann läuft sie zur Höchstform auf, auch in der Hand ungeübterer Schützen.

Wenn ich ehrlich bin: Insgeheim hatte ich mir nach diesen Trainingsergebnissen für die Indoor-WM einen Platz ganz vorne ausgemalt, im Distinguished Pistol Match. Aber es sollte nicht sein. Erstens war ich doch noch nicht so vertraut mit der Waffe, wie das nötig gewesen wäre. Und zweitens: die verdammte reduzierte Scheibe. Die ist dermassen schwer zu schiessen. Vor allem, wenn man das Licht auf einem Stand nicht genau kennt. Um es kurz zu machen: Ich befand mich in bester Gesellschaft mit anderen Schützen, die im Jahr nur ein- oder zweimal in Leitmar schiessen. Die Treffergruppe war absolut okay. Nicht aber deren Lage. Sie lag schön links neben der "Zehn". Leider ist die 1500 kein Streukreissschiessen und so fiel das Ergebnis mit 563 nicht so optimal aus; Platz 8 Master. Na ja. Aber für was hat man Freunde? Clay Tippit, US-Border Patrol Pistol Team, zeigte, daß die Waffe auch in Deutschland gut schießt. Mit 1485 Ringen (von 1500 möglichen), gewann er das 150-schüssige Auto Match mit seiner "Performance Center - PPC" gegen die Konkurrenz. Also auch hier: keine Probleme mit der kurzen Visierlänge.

winchester.gif Klar, daß man solchen Leuten auf die Finger schaut. Wenn die Jungs eine Munition verwenden, dann kann man sich relativ sicher sein, daß sie diese Dinge sorgfältig probiert und verglichen haben: Clay und seine Kollegen vom US-Border Patrol Pistol Team verwendeten die "Winchester" 9mm Luger, Subsonic Match, 147 Gr. FMJ. Ein Vereinskamerad hat da mitgedacht und mir eine Schachtel davon zum Abschlußtest spendiert. Ergebnis: phantastisches Schußverhalten der Waffe. Durch die reduzierte "Vo" (ca. 300m /s) verhält sie sich noch gutmütiger und die Schußleistung ist genial: 10 Meter: 90%: X, 10% zehn / 25 Meter, Anschlag rechte Hand, Balken rechts: 100% "zehn / 50 Meter, Anschlag: rechte Hand, Balken rechts: 60% zehn und x, 40% "neun" (wobei die gesamte Gruppe in die zehn gepaßt hätte).

Es ist klar, daß für Sie diese Werte nicht aussagekräftig sind. Deshalb möchte ich meine Meinung über diese Waffe zusammenfassen:
Hervorragend ausgestattete Matchwaffe für das 1500 Schiessen oder alle Disziplinen, in denen Wert auf verschiedene Visiereinstellungen gelegt wird. Mit den getesteten Munitionssorten gab es bei sehr guter Trefferleistung keinerlei Funktionsstörungen. In der 1500 ist sie für das Distinguished Pistol Match prädestiniert und zugelassen. Obwohl die maximal zulässige Visierlänge im Auto Match um ca. 35mm unterschritten ist, ergeben sich in der Praxis dadurch keine Nachteile und sie ist im Feld der 6"-Waffen absolut konkurrenzfähig, was der Gesamtsieg im Bayern Cup durch Clay Tippit beweist. Die Waffe wird vom deutschen Importeur WISCHO angeboten und kostet derzeit DM 3566.- Das liegt im Bereich der üblichen Marktpreise für PPC-Pistolen und ist angemessen, wenn man Verarbeitung und Ausstattung zugrundelegt.
Wenn man berücksichtigt, daß sie in zwei Wettkampfarten der 1500 voll konkurrenzfähig ist, wo man anderweitig mindestens ein Wechselsystem erwerben müsste, relativiert sich der Preis geradezu zu einem "Schnäppchen". Insbesondere dann, wenn man weiß, daß anderswo schon mal 2.400.- Mark für ein PPC-Wechselsystem in 5" vom Kunden verlangt werden.

In einer Punkteskala von 1-10 würde sie von mir die volle Punktzahl bekommen. Mit einem Checkering an der Unterseite wäre auch hier Ein Extrapunkt, also eine "eins plus" fällig.

Safariland bietet ein passendes Wettkampfholster und die Magazinträger dazu. Hallo Mädels, bald ist Weihnachten!. Wenn´s mal was ganz besonderes sein soll, für den Göttergatten. Das wär doch was für ihn. Und vielleicht: Siehe ganz vorne, erster Satz ???


Testwaffe, Testmunition sowie Asurüstung und Zubehör wurden zur Verfügung gestellt durch: WISCHO / Waffenstube Zink, Moosburg / Fa. E&S - Edda Schäfferer, Schießsportzubehör/Vereinsbedarf, Ergolding.


Die Waffe wurde vorgestellt von Josef Stadler, Bundesreferent für die 11500 im Bund der Militär- und Polizeischützen (BDMP) e.V. Es besteht weiteres Interesse an Testwaffen, insbesondere an solchen, die für die 1500 optimiert sind. Bitte wenden Sie sich an: J. Stadler, Hader 5, 84030 Ergolding, Tel. 08703 / 8322 oder Fax: 08703 / 8918