Nowlin "World Cup PPC"

vorgestellt von Josef Stadler

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Nowlin "World Cup PPC" - Vizeweltmeister Auto Match Indoor WM-Bayern Cup 1998

Wenn der Markt Waffen anbietet, die speziell auf eine Disziplin zugeschnitten sind, so betrachte ich das als Zeichen, dass diese eine gewisse Bedeutung bekommen hat. So wird das Angebot an Waffen mit der Zusatzbezeichnung "1500" oder "PPC" immer breiter und mittlerweile auch immer professioneller.
Vor etwa zwei Jahren erreichte mich eine erste Testwaffe aus dem Hause des amerikanischen Herstellers Nowlin. Schönes Teil. Lauf und Verschluß in 6". Phantastische Schußleistung.

Aber in zwei Punkten entsprach sie nicht meinen Vorstellungen von einer Waffe für das Auto Match 1500.
Insbesondere fehlte ein genügend hohes Korn, um auch auf 25 Meter den nötigen Tiefschuß für "Pfeil aufsitzend" zu ermöglichen. Und ein Checkering der Griffvorderseite stand ebenfalls auf meiner Wunsch- bzw. Vorschlagsliste.
Als dies dann bei einem Büchsenmacher geändert werden sollte, ging die Sache in die Hose. Die Probleme hatten nichts mit Nowlin, sondern mit dem Büchsenmacher zu tun, der die Waffe umarbeiten sollte. Um es kurz zu machen: Der Fräser hatte sich beim Checkering "verlaufen" und stellenweise drei Rillen zu einer einzigen zusammengeführt. Sah aus, wie ein frischgeackertes Feld. Und das Korn flog bei zwei Wettkämpfen hintereinander (ich teste Waffen gerne im echten Wettkampf) davon.
Wer mich kennt, weiß: "es kam Freude auf".
Etwa ein Jahr später brachte Nowlin eine werksmässig auf die 1500 abgestimmte Waffe auf den Markt. Als ich die Testwaffe 1998 bei den US-Nationals in Empfang nahm, war ich gespannt, auf die Ausstattung. Hohes Korn? Sauberes Checkering? Ja, alles da! Der Schlitten lief auf dem Griffstück, daß es eine wahre Pracht war. Kein Spiel, aber trotzdem störungsfrei. Der 6" Nowlin Matchlauf mit Rampe war absolut sauber eingepaßt. Der Abzug stand trocken und knackig. Kaum zu glauben, daß er die in USA geforderten 1589 Gramm (3,5 engl. Pfund) halten sollte. Vom Empfinden her lag er scheinbar bei etwa 1200 Gramm. Messungen zerstreuten die Befürch-tungen, er hielt sogar etwas über 1600 Gramm. Also auch hier: gute Arbeit! Der rechte Flügel der beidseitigen Sicherung schien mir etwas mager geraten (ich pflege dort den Daumen der Führhand "abzulegen"). S & A Magazintrichter. Lange, geteilte Federführungsstange. Wie es sich gehört! Die Waffe ist ausgestattet mit dem obligatorischen Aristocrat Tri-Set. Diese Kimme erlaubt es, drei Distanzen vorzujustieren und per Dreh der Nockenwalze absolut wiederholungsgenau abzurufen. Damit dürfte die Waffe nicht nur für PPC- Schützen, sondern für all jene interessant sein, die in Ihrer sportlichen Übung z.B. von "Fleck" auf "Spiegel aufsitzend" umstellen müssen oder möchten. Ohne lästiges schrauben und mitzählen der "Klicks"! Das hat was.

Insgesamt machte die Waffe einen blitzsauberen Eindruck. Beim Einschießen zeigte sich sofort das angenehme Schußverhalten. Der 6" Schlitten erzeugt eine Kopflastigkeit, die sich gerade in den schnellen Schußfolgen des Match 1 positiv bemerkbar macht und die Waffe deutlich stabiler in der Visierlinie hält als eine 5" -Version.

Das für Matchwaffen typisch enge Patronenlager machte es erforderlich, jede Patrone vorher zu prüfen, ob sie "bis zum Anschlag" reinpasste. Im Wettkampf traten dann doch einzelne Störungen auf. Ursache waren scharfe Kanten am hinteren Teil des Patronenlagers. Nachdem diese entfernt und poliert waren, gab es keinerlei Funktionsstörungen mehr. Bis zum Bayern Cup / Indoor WM ´98 wurde die Waffe ausgiebig getestet. Zum Teil konnte ich damit bessere 50-Meter Ergebnisse erzielen als mit dem Revolver. Dies spricht in diesem Fall eindeutig für die Waffe, da ich mich ansonsten nicht zu den Pistolenspezialisten zähle.

Im Bayern Cup lief dann (fast) alles nach Plan. Mit 1447 Ringen konnte ich den Vizeweltmeistertitel der Master-Klasse gewinnen, als zweitbester deutscher Schütze hinter Thomas Wiehe. Freude!

9mm Luger oder .45 ACP? Welches Kaliber ist besser geeignet? Das wird wohl immer eine Glaubensfrage bleiben. Tatsache aber ist, daß in Amerika der große Umschwung von der guten alten 45er zur 9mm begonnen hat. Auch viele deutsche Topschützen wie Marc Kleser, Thomas Wiehe oder Axel Manthei (Team Nowlin) schwören auf das kleinere Kaliber. Selbst John Poole II, amerikanischer Top-Schütze, wechselte zurück zur 9mm. Er macht den härteren Impuls der 45er dafür verantwortlich, daß die Hände in der zweiten Hälfte des Matches langsam aber sicher zu zittern beginnen. Durch Übertragung des Impulses auf die Nervenbahnen der Unterarme. Dabei sieht John mit knapp 2 Metern Körpergröße und etwa 130 kg Lebendgewicht gar nicht so aus, als könne ihn irgend etwas erschüttern.
Aber Spaß beiseite. Ich persönlich möchte im Auto-Match bei der .45er bleiben. Nicht, weil ich sie für präziser halte, sondern einfach aus Prinzip und Freude an diesem Kaliber.
Eine bewährte Laborierung ist das Precision Delta Semi-Wadcutter Geschoss 200 grs vor 4 grs. N 310 in Precision Delta Hülse (Gesamt-länge: 31,7mm). Ladedaten ohne Gewähr! Das ergab bei Messungen aus der Ransom-Rest Trefferguppen im Bereich von 50mm und weniger auf 50 Meter. "Caliber" hat mit dieser Laborierung" einmal den Traumwert von 27mm auf 50 Meter erzielt. Herz, was willst Du mehr?

Fazit: Eine sehr gute, präzise und zuverlässige Waffe, nicht nur für das PPC-1500 schießen. Die Waffe wird derzeit von "Frankonia" im Kaliber 9mm Luger oder .45 ACP angeboten.
Sie kostet in "brüniert" DM 3998.- und in hartverchromt DM 4398.- Damit liegt sie preislich im üblichen Rahmen der so ausgestatteten Matchpistolen. Ich halte das für einen fairen Preis angesichts der gebotenen Verarbeitung und Schussleistung.
Ich vermisse lediglich ein Checkering an der Unterseite des Abzugsbügels. Dadurch könnte man die Waffe vielleicht noch ein kleines bisschen besser stabilisieren. Sollte die Waffe mal neu brüniert werden müssen, lasse ich mir das vorher reinmachen. Von einem Fachmann. Bis dahin behelfe ich mir mit aufgeklebtem Skate-board-Tape.
Mit der Magazinkapazität von 7+1 ist sie für die 1500 völlig ausreichen, da sowieso nur maximal sechs Schuß geladen werden dürfen. Ein Vorteil des einreihigen Modells: Magazine sind zu erträglichen Preisen zu bekommen. Und davon kann man in der 1500 nie genug haben. Wer, wie ich, das Magazine laden im Wettkampf hasst, kann sich auch mal so viele Magazine leisten, um damit über einen kompletten 150-schüssigen Wettkampf zu kommen.
Man gönnt sich ja sonst nichts....

Sollte ich die Waffe in einer Skala bis 10 beurteilen müssen, würde sie volle Punktzahl bekommen. Und wenn dann noch das Trigger-Guard Checkering drauf ist, vielleicht sogar noch einen Extrapunkt.