Das finnische Repetiergewehr Modell 39 mit Zielfernrohr
Von Dr. Volkmar Schilling Seit etwa drei Jahren werden in Deutschland finnische Repetiergewehre des Modelles 39 zum Kauf angeboten. In /1/ kann man sich über die Geschichte und Eigenschaften dieser Waffen informieren. Dem geduldigen Sucher, der gewillt ist, gegebenenfalls die einjährige Gültigkeit seines WBK-Voreintrages auszureizen gelingt es sicher, ein Gewehr auszuwählen, das sowohl vom äußeren Zustand als auch von den Lauf- und Verschlußeigenschaften her tadellose Qualität aufweist. Man kann davon ausgehen, daß sich die als Sniperversion mit PU-Zielfernrohr angebotenen Gewehre in diese Kategorie eingliedern. Abgesehen von letzterer Variante besitzen Waffen in diesem Zustand ein ausgezeichnetes Preis-Leistungsverhältis. Will man jedoch die ohnehin schon sehr gute Schußleistung des m39 noch steigern, so sollten in der Reihenfolge vier Maßnahmen an der Waffe vorgenommen werden. 1. Freilegen des Laufes In der Regel liegt der Lauf im Bereich des vorderen Koppelschuhes und etwa 17 cm vor der vorderen Systembefestigung fest im Holz. Dies führt zu einer nichtkontrollierbaren Drift der Trefferlage. Deutlich wird der Effekt beim Schießen mit Zielfernrohr auf die BDMP- ZG1-Scheibe. Die Beseitigung dieser Erscheinung erreicht man durch Freilegen des Laufes an den benannten Stellen, wobei im vorderen Bereich Holz auf einer Länge von ca. 23 cm und im hinteren Bereich von ca. 10 cm entnommen werden muß. Man benutzt hierzu ein halbkreisförmig angeschliffenes Schabwerkzeug, dessen wirksamer Durchmesser 2 mm grösser ist als der Laufdurchmesser. Es ist zweckmäßig, mit dem Ausschaben des Unterschaftes zu beginnen. Dabei wird ständig kontrolliert, daß die Ausschabung in gleichmäßigem Abstand zum Lauf erfolgt. Sobald der Abstand des Laufes zum Oberschaft im Bereich des vorderen Koppelschuhes etwa 2 mm beträgt erweist es sich als vorteilhaft, den Lauf durch Unterlegen von Distanzscheiben unter die vordere Systembefestigung nach oben zu bringen. Die Dicke der Distanzscheiben beträgt 0,1 mm. Das Freilegen des Laufes ist abgeschlossen, wenn sich dieser gegenüber seiner Ruhelage im Abstand von 1 mm frei bewegen lässt. 2. Bettung des Systems Diese Maßnahme gewährleistet, daß das System und damit der Lauf nahezu vollkommen im Schaft fixiert sind und z.B. nach Montagearbeiten immer die gleiche Lage annehmen. Mit vertretbarem Aufwand kann das System im Bereich vom vorderen Ende des Magazinschachtes bis zum hinteren, hart angelötetem Visierring und im Bereich der hinteren Systembefestigung vorgenommen werden. Das Schaftholz wird in den genannten Bereichen mit Tri oder Aceton fettfrei gemacht. Die relevanten Systembereiche streicht man dünn mit einem geeignetem Trennmittel (z.B. Silicon) ein, ebenso die beiden Befestigungsschrauben. Überall dort, wo Vergußmasse weg fließen kann wird mit Knetmassestreifen oder Silicon abgedichtet. Danach legt man das System ein und verschraubt es so, daß der Lauf die Lage im Schaft wie unter Pkt.1 erzielt einnimmt. Als Vergußmasse bieten sich Epoxid- oder Polyesterharz an. Man läßt sie an einer Seite durch den Spalt zwischen System und Holz in die vorhandenen Hohlräume laufen, bis sie zur gegenüberliegenden Seite blasenfrei austritt. Das Einfüllen der Vergußmasse sollte in mehreren Intervallen erfolgen, um sicher zu gehen, daß möglichst keine Hohlräume entstehen. Nachdem die Vergußmasse ausgehärtet ist wird das System aus dem Schaft genommen und alle Teile von Trennmittel und überschüssigem Harz gereinigt. Die beiden Systemschrauben müssen nach den ersten Einsätzen des Gewehres nachgezogen werden 3. Überarbeiten des Abzuges Das Abzugsgewicht, das bei mehreren m39 gemessen wurde liegt bei etwa 2,8 kp und darüber. Eine Verringerung dessen kann erreicht werden, indem man die Gleitfläche der Abzugsfeder und die beiden Stifte im Abzug nach deren Demontage mit Ölstein glättet und mit Schleifleinen der Körnung 800 spiegelblank poliert. Ebenso verfährt man mit der Gleitfläche des Abzugsstollens. Danach werden alle gleitenden Teile mit Siliconfett eingefettet und wieder ins System eingebaut. Kritischere Maßnahmen, die allerdings zu Abzugsgewichten führen, die bei 1,5 kp liegen, sind die Schwächung der Abzugsfeder durch Abfeilen und das Herunterfeilen des Abzugsstollens. Diese Arbeiten erfordern jedoch einiges an Erfahrung und sollten deshalb von einem Fachmann durchgeführt werden. 4. Austausch des Zielfernrohres PU Um ein mit dem ZF des Typs PU ausgerüstetes Gewehr m39 wettkampftauglich zu machen, muß dieses Zielfernrohr ersetzt werden, da es neben der nur 3,5-fachen Vergrößerung über kein geeignetes Absehen und keine Klickverstellung verfügt. Ein Vorschlag dazu wird in /2/ beschrieben. Als ZF-Montage kommt eine in Finnland gefertigte zum Einsatz, die sich durch ihre Einfachheit auszeichnet. Es gibt jedoch Anlass zum Überlegen, eine Alternative hierzu zu finden, denn diese Montage läßt keinerlei nachträgliche Justiermöglichkeiten zu und es sind relativ genaue Fräßarbeiten am System nötig, die auf einer bedeutenden Länge die Dicke dessen verringern. Wesentlich ist vor allem für den m39-Besitzer, dessen Waffe mit einem Original-PU ausgerüstet ist, daß er dieses problemlos gegen ein anderes ZF austauschen und ebenso den Originalzustand wieder herstellen kann, indem lediglich zwei Schrauben betätigt werden müssen. Ein in Frage kommendes Funktionsmuster besteht aus den im Bild 1 gezeigten Einzelteilen.
Bild 1Rechts : Untermontage , 140g Mitte : Obermontage , 330g Links : Montageringe , (25,4/26mm, 110g Die Montageringe wurden aus Gründen der Materialeinsparung und eines relativ unkomplizierten Fräßvorganges der Obermontage separat gefertigt. Die Nuten zur Aufnahme in die Obermontage besitzen ein solches Maß, daß eine festsitzende Preßpassung erzielt wird. Mit jeweils zwei M3-Inbusschrauben wird die Preßpassung unterstützt. Der unter Teil der Obermontage entspricht dem der Mosin-Montage. Das Zielfernrohr wird in die Unterringe eingelegt und mittels der Oberringe leicht verspannt (Bild 2). Bild 2
Der letzte Arbeitsgang besteht in der Ausrichtung des Zielfernrohres auf der Waffe, wobei das Absehen mittig eingestellt ist. Das Gewehr wird fest eingespannt und bei entferntem Verschluß durch den Lauf ein Ziel anvisiert, das mindestens 200 m entfernt ist (Mast, Baum o.ä.). Die Obermontage mit dem ZF schiebt man in den Montagefuß und zieht sowohl die Spannschraube als auch die Madenschrauben für die Höhenjustierung so an, daß die Spannzunge der Obermontage mittig zwischen den Widerlagern der Madenschrauben zu liegen kommt. Nunmehr können sowohl die Lage des ZF zur Laufachse als auch die Einrichtung auf das durch den Lauf anvisierte Ziel eingestellt werden, indem man die Justierfüße an der Spannzunge der Obermontage entsprechend abfeilt. Hierbei sind mehrere Bearbeitungsintervalle mit Kontrolle der Lage des senkrechten Stachels des Absehens notwendig. Die Arbeiten sind beendet, wenn bei festgezogenen Schrauben der Untermontage der senkrechte Stachel exakt auf dem durch den Lauf anvisierten Ziel liegt. Zum Schluß erfolgt die waagerechte Einstellung des ZF durch Drehen in den Ringen. Abschließend werden die jeweils vier Schrauben der Montageringe über Kreuz festgezogen. Die Ansichten des m 39 mit einem 10 x 42 - Zielfernrohr zeigen die Bilder 3 und 4.
Bild 3
Bild 4
Das Anbringen eines Montagefußes und die Herstellung eines abgewinkelten Kammerstengels wird in /3/ beschrieben. Die hier vorgestellte Variante des m39 mit ZF hat sich seit etwa zwei Jahren bewährt. Es traten keinerlei Stabilitätsprobleme auf. Auf die 100m-Entfernung wurden Trefferstreukreise von kleiner als 10mm erzielt. Abschließend sei bemerkt, daß bei den Veränderungen an einer Schußwaffe die gesetzlichen Bestimmungen zu beachten sind. Literatur : /1/ Neitzke, Klaus; Die Alternative? Das finnische Armee-Repetiergewehr m39 Ukko Pekka;Vo 3/96, S.37 /2/ Neitzke, Klaus; Das m39 Ukko Pekka als Zielfernrohrgewehr; S.21 /3/ Mrosek, Hartmut; Schotten-Tip für Finnen-Gewehr; Visier 1/1995; S.18 |